MITMACHEN-10

Mehr Ideen! Mehr Visionen!

Was ich zum Thema „Bildung 2040“ unbedingt noch loswerden muss…

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8 Kommentare zu “MITMACHEN-10

  1. Echte Bildung geschieht nur intrinsisch motiviert, angstfrei und ohne Zwang oder Druck. Im sozialen Bereich lernen junge Menschen erwiesenermaßen, indem sie nachahmen oder spiegeln, was ihnen selbst widerfährt. Aus Zwang, Manipulation, Missachtung und Bindungsverweigerung wird gelernt, andere (und oft sich selbst) auch zu zwingen, zu missachten, kühl zu behandeln, auszugrenzen und zu manipulieren. Mitgefühl erzeugt dagegen Mitgefühl, selbst erfahrene Achtung schafft Achtung gegenüber anderen – Wer als junger Mensch gleichwürdig leben darf, hat beste Aussichten, als Erwachsener andere ebenso gleichwürdig zu behandeln. Das sollte bei der Frage nach dem Bildungsort und dem Bildungsangebot der Zukunft unbedingt im Mittelpunkt stehen.

  2. (1) Um des „Kindeswohl“ braucht es einen „bundeseinheitlichen Rahmen“ (Art. 7/Schulwesen GG überarbeiten) für alle Bundesländer für ein Schulsystem. Mögliche bundeseinheitliche Kernpunkte für einen einheitlichen gemeinsamen Rahmen sollten in einer groß und sehr breit angelegten öffentlichen Debatte (best practis) erarbeitet werden.

    Vorgenanntes darf nicht über die Köpfe der BETROFFENEN Akteuren im Schulalltag (Schülerinnen und Schüler, päd. Personal, Schulleitungen, Eltern usw.) passieren, sondern gemeinsam mit den Betroffenen und über einen längeren Zeitraum und unter Nutzung aller möglichen breit angelegten Kommunikationsplattformen und -wege.

    (2) Jedes Kind sollte grundrechtlich (Art. 7) einen sicheren Anspruch auf einen Schulabschluss erhalten und damit begündet sein, dass sich Abschlüsse an „Zeiteinsatz“ und nicht an „Auslesekriterien“ mit Hilfe von Zahlen festmachen und orientiert, sondern an der eingesetzten und von den Schülerinnen und Schülern investierten Lebenszeit an oft heute maroden Schulen, mit personeller Unterbesetzung, überfrachteten Lehrplänen usw.

    Kinder brauchen „immer“ eine Perspektive, Schutz und einen Vertrauensvorschuss in die Zukunft. Deshalb jedem Kind ein Abschluss! Ich werbe mit aller Kraft für diese Idee . . . Viele Bildungsforscher widerholen, dass am Ende der Schulzeit, aber auch während des Studiums doch nur 4 – 8 % des gelernsten Wissens noch abrufbar sind. Ein weiterer Grund einen Abschluss an den Zeiteinsatz gerechterweise zu koppeln.

    Bis zu 52.OOO Jugendliche verlassen jährlich das System ohne einen Abschluss. Besonders an Förderschulen können SuS keinen Abschluss erwerben. Es widerspricht dem Gedanken, und damit der UN BRK und UN KRK einer inklusiven Gesellschaft und verurschacht hohe soziale Folgekosten und ist herabsetzend und ausgrenzend für die Betroffenen. Das muss geändert werden.

    (3) Das Konzept „Schule im Aufbruch“ bietet gute Ansatzpunkte für die Debatte eines gerechteren und menschlicheren, stärker an den Bedürfnissen und Stärken orientierten Bildungssystems in dem Zeit für Beziehung und für das Wachsen von Vertrauen entstehen kann möchte ich anregen.
    (3)

  3. Für eine Schule 2040 (oder auch früher!) wünsche ich mir vor allem mehr Wahlfreiheit und Profilbildungsmöglichkeiten für SchülerInnen. Dazu gehört auch die Infragestellung der bisherigen Hauptfachregelung: Bis ungefähr zur Klasse 8/9 sollten Deutsch, Englisch und Mathe durchaus Hauptfächer sein – hier werden wichtige Grundlagen ausgebildet. Aber darüber hinaus? Warum kann in Zeiten allgemeiner internationalerer Orientierung Deutschlands nicht eine andere Fremdsprache statt Englisch Hauptfach sein? Das gleiche gilt für Mathe? Warum müssen sich sozial oder kreativ orientierte SchülerInnen mit einem stärkerem Gewicht von Mathe als von ihren eigenen Interessengebieten herumschlagen?

    Schön wäre es auch, einzelne Fächer mehr zu differenzieren – bis hin zur Bildung neuer Fächer: z.B. Journalismus als Ableger für Deutsch, Webseitengestaltung als Ableger von Informatik, etc. Oder es werden mehr praktische Teile als Unterricht anerkannt – z.B. Schulband statt Musik oder Schulzeitung statt Deutsch. Das würde Schule für viele SchülerInnen interessanter und lebensweltnaher machen und auch das Andocken an spätere Berufsfelder würde wesentlich stärker gefördert werden. Motivation durch stärkere Betonung von individuellen Interessen würde gefördert werden. Auf der anderen Seite würden Negativ-Erscheinungen wie Zwang, Frust oder schlechte Noten und deren Folge-Erscheinungen wie Trotz, Sarkasmus und z.T. auch Mobbing vermindert werden.

    Auch der demokratische Auftrag der Schule sollte durch mehr praktische Umsetzung an der Schule selber nicht nur theoretisch sondern stärker praktisch geübt werden, damit Demokratie nicht als hohle Sonntagspredigt erlebt wird. In diesem Sinne sollte die Mitbestimmung der SchülerInnen und Erziehungsberechtigten ernster genommen werden, auch wenn dadurch eingeübte oder sogar lieb gewonnene Systeme umgestellt werden müssten.

    Für die beschriebenen Änderungen müsste natürlich noch wesentlich mehr Personal einsatzfähig und damit ausgebildet werden – die Öffnung gegenüber Quereinsteigern ist hier ein guter Ansatz, auch weil viele von ihnen manchmal aufgrund ihrer eigenen Vita und andersartigen Erfahrungen über den Horizont von „gelernten Lehrern“ hinausschauen können.

    Insgesamt also: Lernmotivation statt Konditionierung! Und mehr gelebte Demokratie und geforderte und geförderte Eigenverantwortlichkeit!

  4. Wenn eine Gesellschaft auf Demokratie fußt, MÜSSEN Schulen demokratisch gestaltet werden. Schüler_innen dürfen mitbestimmen und mitgestalten. Fachlehrpläne jeglicher Art sind wesentlich weniger Wert als der Wert, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen.

  5. Das Kultusministerium und die Politik brauchen mehr Mut zu tiefgreifenden Veränderungen und Innovation. Schulen dürfen mit ihren individuellen Herausforderungen nicht allein gelassen werden, es muss u.a. flexibler auf Schulausfälle, Lehrermangel, unbesetzte Stellen etc. reagiert werden.
    Es darf sich nicht immer auf Paragrafen und „das wurde schon immer so geregelt“ zurückgezogen werden.
    Die Lehrerausbildung ist ebenfalls grundlegend an die künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen anzupassen.
    Auch die Zusammenarbeit mit Kommunen als Schulträger sollte nicht eingleisig sondern im Dialog erfolgen und die Schülerinnen und Schüler sowie Eltern sollten mehr gehört werden (z.B. Einbindung in Planungsprozesse).

  6. Einen wesentlichen Risikofaktor für Bildung 2040, Agenda 2030, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Umsetzung von Inklusion im Sinne der UN-BRK und der Verwirklichung einer WIRKLICH inklusiven Schule sehe ich im Fortbestehen der sonderpädagogischen Strukturen, Diagnosen, Kategorienildungen und der dadurch erzeugten Wirklichkeitskonstruktionen. Das Fortschreiben dieser Strukturen und die daraus resultierenden Paradoxien binden unglaublich viele Ressourcen – nicht nur finanziell.
    Kraft, Aufmerksamkeit und Energie bleiben gebunden in einer Praxis, die weiterhin Separation und Trennung bedeutet, mit demUnterschied, dass (mindestens sprachliche) „Exklusion“ unter der Überschrift „Inklusion“ nun „intern“, also innerhalb der zuständigen Schule verbleibt – wenn überhaupt.
    Die Prozesse verwässern unter neuen Begrifflichkeiten immer mehr, sind schwerer greifbar und werden subtiler.
    Viele Kinder spüren das Unrecht, dem sie ausgesetzt sind, rebellieren und müssen dadurch oft zusätzliches Unrecht ertragen.
    Im Sinne einer nachhaltigen, tiefgreifenden Veränderung wäre es aus meiner Sicht mehr als dringend erforderlich, die sonderpädagogischen Muster und Strukturen zu dekonstruieren, ihre historisch belasteten Entstehungsgeschichte in den Blick zu nehmen und sie vor diesem Hintergrund in Frage zu stellen und zu reflektieren.
    Solange wir daran festhalten, bleibt aus meiner Sicht wertvolles Potenzial in leiderzeugender Weise gebunden.
    Die durch den Sprachgebrauch erzeugten Konstruktionen einer vermeintlich feststellbaren Wirklichkeit oder objektivierbaren Wahrheit von „Bedarfen an sonderpädagogischer Unterstützung“ stellt meiner Meinung und meinem Empfinden nach einen oft folgenschweren Risikofaktor für chancengerechte Entwicklung und Schüler- sowie Lehrergesundheit dar.
    Für Rückfragen und Gedankenaustausch stehe ich selbstverständlich gerne zur Verfügung.

  7. 3. November 2018

    Heike Oberschelp

    5 Waldorfschulen aus Hannover und Umgebung arbeiten zur Zeit an einem Time-Out Jahr für Schüler, die einen Perspektivwechsel brauchen. Gedacht ist dieses Vorhaben vor allem für die Gruppe der unruhige, unkonzentrierten und von Unlust getriebenen und Schule verweigernden Schüler der Mittelstufe. Sie sollen die Möglichkeit bekommen ein Schuljahr auf dem Bauernhof zu arbeiten im Rahmen der Schulzeit um den Stress wegzunehmen, Lebensfreude zu entwickeln und vielleicht Ideale zu verfolgen.
    Heike Oberschelp

    1. Sehr, sehr interessante und innovative und vielverprechend klingende Idee! Wie kann man auf dem Laufenden gehalten werden?

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